Gibt es rassespezifisches Trennungstraining
Die kurze Antwort: Nein, zumindest nicht im klassischen Sinne.
Unsere Trainingsmethode unterscheidet sich nicht je nach Rasse.
Was sich unterscheidet, ist der Blick auf den einzelnen Hund:
- seine Bedürfnisse
- seine Motivation
- seine Strategien im Umgang mit Stress
Und ja, die Rasse kann dabei eine Rolle spielen. Aber sie ist nie der alleinige Maßstab.
Bedürfnisbefriedigung vor dem Alleinbleiben
Ein zentraler Baustein im Trennungstraining ist die Frage:
Ist der Hund vor dem Alleinbleiben wirklich zufrieden?
Dabei geht es nicht darum, den Hund „müde zu machen“, sondern ihm die Möglichkeit zu geben, rassetypische oder individuelle Bedürfnisse auszuleben.
Beispiel Jagdhunde
Jagdhunde wurden dafür gezüchtet, eigenständig unterwegs zu sein.
Fehlt diese Bedürfnisbefriedigung, entsteht Frust und Frust erschwert das Alleinbleiben massiv.
Jagdersatzspiele, Beobachten, Anschleichen oder kontrolliertes „Jagen“ können hier ein echter Gamechanger sein.
Beispiel kleine Hunde
Bei manchen kleinen Hunden spielt Nähe eine große Rolle:
- Körperkontakt
- Wärme
- gemeinsames Ruhen
Wenn diese Bedürfnisse im Alltag ausreichend erfüllt werden, kann das Trennungstraining deutlich leichter fallen.
Beispiel wachsamere Rassen
Hunde, die gerne ihre Umgebung im Blick behalten, profitieren oft von:
- erhöhten Liegeplätzen
- Fensternischen
- Balkonen oder sicheren Aussichtspunkten
„Kino gucken“ ist für viele Hunde ein unterschätztes Bedürfnis: mentale Auslastung ohne Aktion.
Regulationsstrategien: individuell statt rassentypisch
Ein Herzstück des TJM-Trainings sind Regulationsstrategien:
Also Verhaltensweisen, mit denen Hunde sich selbst wieder regulieren können, wenn Stress entsteht.
Hier zeigt sich besonders deutlich:
Regulation ist individuell, nicht rassespezifisch.
Manche Hunde tragen Gegenstände herum, andere wollen kauen, wieder andere wechseln gezielt den Ort.
Das findet sich quer durch alle Rassen.
Ein Beispiel:
Das gezielte Tragen eines Gegenstands von der Wohnungstür zu einem Ruheort kann vielen Hunden helfen, Stress an der „Barriere“ abzubauen, unabhängig davon, ob es sich um einen Retriever, einen Malteser oder einen Galgo handelt.
Rassespezifik zeigt sich vor allem in der Körpersprache
Ein Bereich, in dem rassespezifisches Wissen wirklich wichtig ist, ist die Körpersprache.
Unterschiede in:
- Felllänge
- Bemuskelung
- Rutenform
- Ohrenstellung
verändern, wie Stress oder Entspannung sichtbar werden.
Beispiel:
- Französische Bulldoggen wirken durch Körperbau und Mimik oft schneller „angespannt“.
- Manche Hunde tragen ihre Rute grundsätzlich höher – das ist nicht automatisch Stress.
Deshalb gilt:
Immer den individuellen Normalzustand des Hundes kennen, um Veränderungen richtig einzuordnen.
Fazit
Rassespezifisches Trennungstraining im Sinne von festen Trainingsplänen pro Rasse funktioniert nicht.
Was funktioniert:
- bedürfnisorientiertes Arbeiten
- individuelles Beobachten
- flexible Anpassung
Wer den Hund wirklich sieht, berücksichtigt automatisch auch rassespezifische Besonderheiten, ohne den Hund darauf zu reduzieren.
Steig jetzt strukturiert ins Trennungstraining ein – egal, welche Rasse dein Hund hat.
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Du bist Hundetrainer:in
Wir starten gerade ein Projekt für Trainer:innen, die das Thema Trennungsstress in ihrem Trainingsalltag nebenbei mit bearbeiten müssen oder wollen, aber nicht die Kapazitäten haben, dafür die nötigen Weiterbildungen zu machen. Wir zeigen Trainer:innen im deutschsprachigen Raum, wie sie trotzdem gute Basics an ihre Teams weitergeben können, um Trennungsstress zu erkennen und die ersten Trainingsschritte erfolgreich umzusetzen.
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Wir unterstützen Hundehalter:innen, die mit ihren Hunden das Alleinebleiben trainieren (möchten) bei der Planung und Umsetzung des Trainings in individueller 1:1 Betreuung. Außerdem stecken wir mitten in der Vorbereitung für unseren Onlinekurs zum Thema Trennungstraining.


